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Luftbefeuchter oder Luftentfeuchter – wann man zu welchem greift

Die Luft in der Wohnung beeinflusst die Gesundheit viel mehr, als die meisten Menschen ahnen. Zu trockene Luft trocknet die Schleimhäute aus, verschlimmert Allergiesymptome und führt dazu, dass Holzmöbel reißen. Zu feuchte Luft hingegen begünstigt Schimmelwachstum, zieht Milben an und kann Baukonstruktionen beschädigen. Trotzdem haben viele Haushalte entweder gar kein Gerät zur Luftfeuchtigkeitsregulierung – oder, was vielleicht noch schlimmer ist, das falsche. Wie erkennt man also, ob man einen Luftbefeuchter oder einen Luftentfeuchter benötigt?

Die Antwort ist nicht immer einfach, denn sie hängt von der Jahreszeit, dem Klima, dem Gebäudetyp und dem jeweiligen Raum ab. Aber sobald man die grundlegenden Prinzipien versteht, wird die Entscheidung überraschend einfach.


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Was Luftfeuchtigkeit eigentlich bedeutet und warum der richtige Wert wichtig ist

Die relative Luftfeuchtigkeit gibt an, wie viel Prozent der maximal möglichen Menge an Wasserdampf die Luft bei einer bestimmten Temperatur enthält. Der ideale Wert für Wohnräume liegt zwischen 40 und 60 Prozent, wie etwa die Weltgesundheitsorganisation in ihren Leitlinien zur Qualität der Innenraumluft angibt. Unterhalb dieser Grenze beginnt die Luft, Schleimhäute und Haut auszutrocknen; darüber entstehen Bedingungen, die Schimmel und Bakterien begünstigen.

Das Problem ist, dass menschliche Sinne beim Einschätzen der Luftfeuchtigkeit ziemlich unzuverlässig sind. Wir können spüren, dass ein Raum stickig ist, oder bemerken, dass unsere Hände rissig werden – aber den genauen Wert der relativen Luftfeuchtigkeit können wir ohne Messung schlicht nicht erkennen. Deshalb ist der erste Schritt vor dem Kauf eines Geräts die Anschaffung eines einfachen Hygrometers, also eines Luftfeuchtigkeitsmessers. Es kostet nur wenige Euro und kann unnötige Ausgaben für ein Gerät ersparen, das der Haushalt gar nicht benötigt.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Jana wohnt in einer Plattenbau-Wohnung in Prag und leidet den ganzen Winter unter trockener Haut und häufigen Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum. Sie kaufte sich einen Luftentfeuchter, weil sie gehört hatte, er sei gut für die Gesundheit – doch ihre Beschwerden verschlimmerten sich noch. Erst als sie sich ein Hygrometer anschaffte, stellte sie fest, dass die Luftfeuchtigkeit in ihrer Wohnung im Winter auf 25 Prozent sank. Sie brauchte das genaue Gegenteil: einen Luftbefeuchter.

Luftbefeuchter: Wann es Zeit ist, der Luft Feuchtigkeit hinzuzufügen

Ein Luftbefeuchter, wie der Name schon sagt, fügt der Luft Feuchtigkeit hinzu. Er kommt zum Einsatz, wenn die relative Luftfeuchtigkeit unter 40 Prozent sinkt – und das passiert überraschend häufig. In den Wintermonaten trocknet die Heizung die Luft dramatisch aus, da erwärmte Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann, dieser in geschlossenen Räumen jedoch fehlt. Die Folgen sind trockene Lippen, brennende Augen, gereizte Atemwege und im Extremfall auch wiederkehrende Infektionen der oberen Atemwege.

Luftbefeuchter sind besonders vorteilhaft in Haushalten mit Kleinkindern oder älteren Menschen, die empfindlicher auf die Luftqualität reagieren. Kinderärzte und Allergologen empfehlen sie regelmäßig bei der Behandlung von chronischem Schnupfen, Asthma oder Ekzemen. Trockene Luft schwächt nämlich die natürliche Schutzschicht der Schleimhäute, die sonst als erste Barriere gegen Viren und Bakterien fungieren.

Es gibt verschiedene Typen von Luftbefeuchtern. Ultraschallbefeuchter zerstäuben Wasser mithilfe von Ultraschallschwingungen in feine Tröpfchen – sie sind leise und energiesparend, erfordern jedoch regelmäßige Reinigung, um eine Verbreitung von Bakterien zu verhindern. Verdunstungsbefeuchter funktionieren nach dem Prinzip der natürlichen Verdunstung über einen Filter und „regulieren" die Luftfeuchtigkeit selbstständig – wenn die Feuchtigkeit ausreichend ist, verlangsamt sich die Verdunstung. Dampfbefeuchter erhitzen das Wasser und geben sterilen Dampf ab, sind also hygienisch am sichersten, verbrauchen jedoch mehr Energie.

Wann sollte man also zu einem Luftbefeuchter greifen? Die Anzeichen sind recht eindeutig: rissige Lippen und trockene Haut im Winter, häufige Entzündungen der Bronchien oder des Nasen-Rachen-Raums, statische Elektrizität an Kleidung und Teppichen, reißende Holzböden oder Möbel – oder einfach ein Hygrometer, das unter 40 Prozent anzeigt. Ein Luftbefeuchter eignet sich besonders in der Winterzeit, in Dachgeschosswohnungen mit unzureichender Dämmung sowie in Haushalten mit Zentralheizung oder Klimaanlage, die die Luft austrocknet.

Luftentfeuchter: Wann die Luft umgekehrt getrocknet werden muss

Am anderen Ende des Spektrums steht der Luftentfeuchter, dessen Aufgabe es ist, überschüssige Feuchtigkeit aus der Luft zu entziehen. Er kommt zum Einsatz, wenn die relative Luftfeuchtigkeit 60 Prozent überschreitet – und diese Situation ist in deutschen und österreichischen Haushalten überraschend häufig, besonders im Sommer, in Kellerräumen, in Badezimmern oder in Neubauten, die noch nicht vollständig ausgetrocknet sind.

Hohe Luftfeuchtigkeit ist tückisch, weil sie sich schleichend bemerkbar macht. Zunächst fällt vielleicht nur auf, dass das Badezimmer schlechter lüftet oder dass Fenster von Kondenswasser beschlagen sind. Dann beginnen Flecken an der Decke oder hinter Möbeln aufzutauchen. Und schließlich – Schimmel. In der Fachzeitschrift Environmental Health Perspectives veröffentlichte Studien bestätigen wiederholt, dass eine langfristige Exposition gegenüber Schimmel in Innenräumen das Risiko von Atemwegserkrankungen erhöht, sowie Allergien und in einigen Fällen auch neurologische Beschwerden verursachen kann.

Ein Luftentfeuchter arbeitet nach dem Kondensationsprinzip: Er saugt feuchte Luft an, kühlt sie unter den Taupunkt ab, die Wassertröpfchen kondensieren und fließen in einen Behälter, während die getrocknete Luft in den Raum zurückgegeben wird. Moderne Geräte sind mit Hygrostaten ausgestattet, sodass sie sich automatisch ein- und ausschalten, je nach eingestellter Zielfeuchtigkeit – es ist also keine ständige manuelle Kontrolle erforderlich.

Wann ist ein Luftentfeuchter die richtige Wahl? Typische Situationen sind sichtbare Kondensation an Fenstern oder kalten Wänden, muffiger oder schimmeliger Geruch im Raum, Schimmelbefall im Badezimmer oder hinter Möbeln, ein Gefühl von Stickigkeit und schwerer Luft selbst bei geöffnetem Fenster – oder ein Hygrometer, das über 60 Prozent anzeigt. Ein Luftentfeuchter ist unverzichtbar in Kellerräumen, in der Waschküche, in Badezimmern ohne natürliche Belüftung sowie in Regionen mit feuchtem Klima – oder schlicht in jedem Sommer, wenn die Außenluft mit Feuchtigkeit gesättigt ist.

Wie man zwischen beiden Geräten richtig wählt

Wie der dänische Architekt Jan Gehl einmal bemerkte: „Die Qualität der Umgebung entscheidet über die Lebensqualität." Und dasselbe gilt für die Luft in unseren Wohnungen – einer Umgebung, in der wir laut verschiedenen Studien bis zu 90 Prozent unserer Zeit verbringen.

Der Schlüssel zur richtigen Entscheidung ist eine Kombination aus zwei Dingen: Messen und Beobachten. Das Hygrometer liefert harte Daten, aber die Beobachtung des eigenen Körpers und des Haushalts vervollständigt das Bild. Wenn Sie im Sommer unter einer Milbenallergie leiden, die sich im Winter bessert, kämpfen Sie wahrscheinlich mit übermäßiger Feuchtigkeit und benötigen einen Luftentfeuchter. Wenn Sie hingegen jeden Winter eine Mandelentzündung bekommen und Ihre Haut rissig wird, ist die Luft zu trocken – und ein Luftbefeuchter wird Ihr Verbündeter sein.

Es ist auch wichtig zu bedenken, dass beide Geräte sich nicht ausschließen – viele Haushalte benötigen im Winter einen Luftbefeuchter und im Sommer einen Luftentfeuchter. Es kommt auf die konkreten Bedingungen an. Plattenbau-Wohnungen mit Zentralheizung sind im Winter typischerweise zu trocken, können aber im Sommer – besonders im Erdgeschoss oder im Keller – zu feucht sein. Einfamilienhäuser mit guter Dämmung sind in der Regel stabiler, aber auch dort spielen die Ausrichtung der Räume, die Anzahl der Bewohner oder das Vorhandensein von Zimmerpflanzen eine Rolle, die selbst die Luftfeuchtigkeit erhöhen.

Eine wichtige Rolle spielt auch die Leistung des Geräts. Ein Luftbefeuchter sollte auf das Volumen des Raums ausgelegt sein, in dem er eingesetzt werden soll – ein zu schwaches Gerät befeuchtet einen großen Raum nicht ausreichend, ein zu starkes kann umgekehrt übermäßige Feuchtigkeit und Kondensation verursachen. Dieselbe Regel gilt für Luftentfeuchter, bei denen die Leistung in Litern entzogenen Wassers pro 24 Stunden angegeben wird. Für ein standardmäßiges Wohnzimmer reicht ein Gerät mit einer Leistung von etwa 10–16 Litern täglich, für größere Räume oder Keller ist ein leistungsstärkeres Modell empfehlenswert.

Nicht weniger wichtig ist auch die Wartung. Ein Luftbefeuchter, der nicht regelmäßig gereinigt wird, kann zur Quelle von Bakterien und Schimmel werden – genau das, was wir verhindern wollen. Der Wasserbehälter muss regelmäßig geleert und desinfiziert, Filter regelmäßig ausgetauscht werden. Bei Luftentfeuchtern ist die Situation etwas einfacher, aber auch hier muss der Kondensatbehälter regelmäßig geleert und der Filter gereinigt werden.

Bei der Auswahl eines konkreten Modells lohnt es sich, auch auf den Energieverbrauch zu achten. Moderne Geräte mit der Energieeffizienzklasse A oder A+ verbrauchen deutlich weniger Strom als ältere oder günstigere Modelle. Langfristig zahlt sich die Investition in ein hochwertiges Gerät nicht nur gesundheitlich, sondern auch wirtschaftlich aus.

Egal ob Sie sich letztendlich für einen Luftbefeuchter, einen Luftentfeuchter oder beide entscheiden – das Gerät selbst ist nur ein Teil der Lösung. Richtiges Lüften, regelmäßige Reinigung und Aufmerksamkeit für den Zustand des Haushalts sind die Grundlage eines gesunden Raumklimas. Geräte zur Luftfeuchtigkeitsregulierung sind ein mächtiges Werkzeug – aber sie funktionieren am besten, wenn man weiß, warum und wann man sie einsetzt.

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