# Menstruation ohne Abfall funktioniert auch in der Praxis
Jeden Monat landen auf Deponien weltweit Milliarden von Einweg-Hygieneartikeln. Tampons, Binden, ihre Plastikverpackungen und Applikatoren – all das stellt eine enorme Belastung für den Planeten dar, über die bis vor Kurzem kaum gesprochen wurde. Dabei ist nachhaltige Menstruation weder eine Neuheit noch ein Modetrend. Es handelt sich um eine Rückkehr zu einem Prinzip, das unsere Großmütter gut kannten: Dinge wiederholt verwenden, sie pflegen und nicht verschwenden. Heute hat dieser Ansatz jedoch eine wesentlich komfortablere und hygienischere Form – in Gestalt von Menstruationstassen, Periodenunterwäsche und waschbaren Binden.
Schauen wir uns an, wie diese Alternativen im Alltag funktionieren, was man realistisch von ihnen erwarten kann und warum es sich lohnt, ihnen eine Chance zu geben – selbst wenn einen „nur" das Geld motivieren sollte.
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Warum man sich überhaupt mit nachhaltiger Menstruation beschäftigen sollte
Eine durchschnittlich menstruierende Person verbraucht im Laufe ihres Lebens schätzungsweise zehn- bis fünfzehntausend Einweg-Hygieneartikel. Laut der Organisation Women's Environmental Network macht Menstruationsabfall einen erheblichen Anteil des Abfalls in der Kanalisation und auf Deponien aus, wobei eine gewöhnliche Binde bis zu 90 % Plastik enthält und ihr Abbau Hunderte von Jahren dauert. Das sind Zahlen, die zum Nachdenken anregen.
Neben der ökologischen Dimension gibt es aber auch die finanzielle. Einwegbinden und Tampons stellen eine wiederkehrende monatliche Ausgabe dar, die sich über die Jahre zu einem überraschend hohen Betrag summiert. Studien aus Großbritannien sprechen von der sogenannten „period poverty" – Periodenarmut, bei der sich manche Frauen und Mädchen qualitativ hochwertige Hygiene schlichtweg nicht leisten können. Der Umstieg auf wiederverwendbare Alternativen amortisiert sich finanziell in der Regel innerhalb weniger Monate, maximal innerhalb eines Jahres.
Und dann gibt es noch den gesundheitlichen Aspekt. Einwegprodukte enthalten häufig Bleichchemikalien, synthetische Duftstoffe und weitere Substanzen, die in direkten Kontakt mit einer der empfindlichsten Körperstellen kommen. Menstruationstassen aus medizinischem Silikon, waschbare Binden aus Baumwolle oder Periodenunterwäsche aus zertifizierten Materialien reduzieren dieses Risiko erheblich. Es ist kein Zufall, dass Gynäkologen immer häufiger genau diese Varianten empfehlen – beispielsweise erwähnt das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) Menstruationstassen als sichere Alternative zu Tampons.
Das gesamte Konzept der nachhaltigen Menstruation basiert also auf drei Säulen: weniger Abfall, weniger Ausgaben und weniger Chemie im Kontakt mit dem Körper. Das klingt einfach, und dennoch zögern viele Menschen, weil sie nicht wissen, wie das Ganze in der Praxis aussieht. Genau deshalb schauen wir uns jede der wichtigsten Alternativen im Detail an.
Die Menstruationstasse ist wahrscheinlich das bekannteste Symbol der nachhaltigen Menstruation. Es handelt sich um ein kleines, flexibles Gefäß – meist aus gesundheitlich unbedenklichem Silikon – das in die Vagina eingeführt wird, wo es das Menstruationsblut auffängt. Im Gegensatz zum Tampon absorbiert es das Blut nicht, sondern sammelt es, was bedeutet, dass es die Schleimhaut nicht austrocknet und das natürliche vaginale Milieu nicht stört. Eine Menstruationstasse hält je nach Hersteller und Nutzungsweise fünf bis zehn Jahre, manche Marken geben sogar eine längere Lebensdauer an.
In der Praxis sieht es so aus, dass die Tasse etwa zwei- bis dreimal täglich entleert werden muss – morgens, abends und gegebenenfalls einmal tagsüber. Bei stärkerer Blutung natürlich häufiger. Nach dem Entleeren genügt es, sie mit klarem Wasser abzuspülen und wieder einzusetzen. Am Ende des Zyklus wird die Tasse durch Abkochen in einem Topf mit Wasser für einige Minuten sterilisiert. Das gesamte Ritual nimmt minimal Zeit in Anspruch, und nach einer anfänglichen Eingewöhnungsphase sind die meisten Nutzerinnen sehr zufrieden.
Eine der häufigsten Bedenken betrifft das Einsetzen und Herausnehmen. Es stimmt, dass es etwas Übung erfordert. Die Tasse wird vor dem Einsetzen gefaltet – es gibt mehrere Falttechniken – und entfaltet sich nach dem Einsetzen, wobei ein Unterdruck entsteht, durch den sie an Ort und Stelle bleibt. Beim Herausnehmen ist es wichtig, zunächst den Unterdruck durch Zusammendrücken des unteren Teils der Tasse zu lösen. Die meisten Frauen gewöhnen sich innerhalb von zwei bis drei Zyklen an diesen Vorgang. Es hilft, zu Hause damit anzufangen, in Ruhe, vielleicht an einem Wochenende, wenn man nirgendwo hin eilen muss.
Interessant ist die Geschichte von Kateřina aus Brünn, die vor drei Jahren nach der Geburt ihres zweiten Kindes auf die Menstruationstasse umgestiegen ist. Anfangs schreckte sie das Gefühl ab, es könnte kompliziert und unhygienisch sein. „Im ersten Monat hatte ich die Tasse als Reserve und benutzte weiterhin auch Tampons. Im zweiten Monat traute ich mich, nur die Tasse zu verwenden, und stellte fest, dass es eigentlich einfacher ist. Ich muss nicht daran denken, ob ich genug Tampons in der Handtasche habe, ich muss nicht auf öffentlichen Toiletten nach einem Mülleimer suchen. Ich leere sie einfach aus, spüle sie ab und fertig", beschreibt sie. Heute schätzt sie, dass ihr die Tasse etwa zweitausend Kronen pro Jahr spart.
Allerdings ist die Tasse nicht für jede geeignet. Manchen Frauen liegt das Einsetzen nicht, andere haben anatomische Besonderheiten, die dazu führen, dass die Tasse nicht bequem sitzt. Und genau für sie gibt es weitere großartige Alternativen.
Periodenunterwäsche stellt wohl den komfortabelsten Weg zur nachhaltigen Menstruation dar. Sie sieht aus wie gewöhnliche Unterwäsche, verfügt jedoch über eine spezielle, direkt im Schritt integrierte Saugschicht. Diese Schicht besteht in der Regel aus mehreren Teilen: Die obere leitet Feuchtigkeit von der Haut ab, die mittlere absorbiert das Blut und die untere ist undurchlässig, damit nichts durchsickert. Hochwertige Periodenunterwäsche kann ein Volumen aufnehmen, das einem bis drei Tampons entspricht, manche Modelle für stärkere Blutungen sogar mehr.
Die Verwendung ist absolut intuitiv – die Unterwäsche wird einfach wie jede andere angezogen. Nach dem Gebrauch wird sie mit kaltem Wasser ausgespült, bis das Wasser klar abläuft, und anschließend in der Waschmaschine bei der vom Hersteller empfohlenen Temperatur gewaschen (meist 30 bis 40 Grad, ohne Weichspüler und Bleichmittel). Getrocknet werden sollte sie an der Luft, nicht im Trockner, damit die Funktionalität der undurchlässigen Schicht erhalten bleibt.
Für viele Frauen ist Periodenunterwäsche die ideale Wahl für leichtere Tage des Zyklus, für die Nacht oder als Backup zur Menstruationstasse. Die Kombination aus Tasse tagsüber und Periodenunterwäsche nachts ist übrigens eine der beliebtesten Strategien in der Community rund um nachhaltige Menstruation. Dieser Ansatz deckt praktisch alle Situationen ab – von sportlichen Aktivitäten über die Arbeit im Büro bis hin zum ruhigen Schlaf ohne Sorge vor dem Durchsickern.
Bei der Auswahl von Periodenunterwäsche lohnt es sich, auf die Materialzusammensetzung zu achten. Ideal ist Unterwäsche aus zertifizierter Bio-Baumwolle oder mit OEKO-TEX-Zertifizierung, die das Fehlen schädlicher Substanzen garantiert. Manche günstigeren Varianten können PFAS – sogenannte „Ewigkeitschemikalien" – in der undurchlässigen Schicht enthalten, weshalb es wichtig ist, bewährte Marken zu wählen, die ihre Produkte unabhängig testen lassen.
Die dritte Säule der nachhaltigen Menstruation bilden waschbare Stoffbinden. Sie kommen dem am nächsten, was Frauen aus der Einwegwelt gewohnt sind – Form und Anwendungsprinzip sind praktisch identisch. Die Binde wird mit Druckknöpfen oder Flügeln an der Unterwäsche befestigt und nach dem Gebrauch gegen eine saubere ausgetauscht. Benutzte Binden werden mit kaltem Wasser ausgespült und in einem verschließbaren Beutel oder Behälter aufbewahrt, bis es Zeit zum Waschen ist.
Stoffbinden werden in verschiedenen Größen und Saugstärken hergestellt – von Slipeinlagen für den täglichen Gebrauch über Tages- und Nachtvarianten bis hin zu speziellen Wochenbettbinden. Materialtechnisch begegnet man am häufigsten Baumwolle, Bambusfaser oder Hanf, wobei jedes Material seine spezifischen Eigenschaften hat. Bambusfaser ist beispielsweise von Natur aus antibakteriell und sehr saugfähig, Baumwolle ist weich und atmungsaktiv, Hanf wiederum widerstandsfähig und langlebig.
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Wie der Umstieg auf nachhaltige Menstruation in der Praxis gelingt
Der wohl größte Fehler, den man beim Umstieg auf nachhaltige Menstruationsprodukte machen kann, ist, alles auf einmal ändern zu wollen. Wesentlich vernünftiger und psychisch angenehmer ist ein schrittweiser Übergang. Man kann zum Beispiel mit einer waschbaren Binde an leichteren Tagen beginnen. Oder Periodenunterwäsche nachts ausprobieren. Und erst wenn man sich daran gewöhnt hat und Vertrauen in das neue Produkt gewonnen hat, dessen Nutzung auf den gesamten Zyklus ausweiten.
Ein praktisches Starterset kann zum Beispiel so aussehen:
- Eine Menstruationstasse in der richtigen Größe (die meisten Hersteller bieten Größenratgeber basierend auf Alter, Geburten und Blutungsstärke an)
- Zwei bis drei Paar Periodenunterwäsche für die Nacht und leichtere Tage
- Drei bis fünf waschbare Binden verschiedener Saugstärken als Backup oder Alternative
Diese Grundausstattung kostet ungefähr zwei- bis viertausend Kronen, was sich – wie bereits erwähnt – innerhalb weniger Monate amortisiert. Und sie hält Jahre.
Was die Hygiene betrifft, sind Bedenken hinsichtlich unzureichender Sauberkeit verständlich, aber in Wirklichkeit unbegründet. Menstruationsblut ist eine sterile Flüssigkeit, und bei korrekter Vorgehensweise – regelmäßigem Waschen bei ausreichender Temperatur und Sterilisation der Tasse – besteht kein gesundheitliches Risiko. Eine 2019 in der Fachzeitschrift The Lancet Public Health veröffentlichte Studie bestätigte, dass Menstruationstassen eine sichere Alternative zu Einwegprodukten darstellen und nicht mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden sind.
Wichtig ist auch, Reisen und Situationen außerhalb des Zuhauses zu erwähnen. Auf öffentlichen Toiletten, wo kein Waschbecken direkt in der Kabine verfügbar ist, genügt es, eine Flasche mit sauberem Wasser zum Abspülen der Tasse dabei zu haben. Benutzte Stoffbinden können in einem wasserdichten Beutel aufbewahrt und zu Hause gewaschen werden. Periodenunterwäsche ist auf Reisen wohl am praktischsten – es reicht, sie unter der Dusche auszuspülen und über Nacht aufzuhängen.
Wie die Aktivistin und Autorin des Buches Period Power, Maisie Hill, einmal sagte: „Die Art und Weise, wie wir uns um unsere Menstruation kümmern, spiegelt wider, wie wir uns um uns selbst und um die Welt um uns herum kümmern." Und daran ist viel Wahres. Die Wahl nachhaltiger Menstruationsprodukte ist nicht nur eine ökologische Geste – es ist eine Investition in den eigenen Komfort, die Gesundheit und in eine Zukunft, in der der Planet nicht von Einwegabfall überschwemmt wird.
Der Umstieg auf nachhaltige Menstruation muss kein revolutionärer Umbruch von einem Tag auf den anderen sein. Es kann ein ruhiger, schrittweiser Prozess sein, bei dem jede Person die Produktkombination findet, die ihr am besten passt. Manche verlieben sich in die Menstruationstasse und kehren nie wieder zu etwas anderem zurück. Manche kombinieren Periodenunterwäsche mit Stoffbinden. Und manche beginnen vielleicht nur damit, Einweg-Slipeinlagen durch waschbare zu ersetzen – auch das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Denn bei Nachhaltigkeit geht es nicht um Perfektion, sondern um bewusste Entscheidungen und die Bereitschaft, Dinge ein wenig anders zu machen als bisher.