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Mitten in der Nacht aufzuwachen mit einem „eingeschlafenen" Arm und so intensivem Kribbeln in den Fingern, dass man die Hand kaum zur Faust ballen kann – das kennt fast jeder. Meistens reicht es, die Hand ein paar Sekunden zu schütteln, die Lage zu wechseln, und das unangenehme Gefühl verschwindet. Aber was, wenn das nächtliche Kribbeln in den Fingern regelmäßig auftritt, länger anhält als es sollte, oder weitere Symptome hinzukommen? Genau hier wird es wichtig zu unterscheiden, ob der Körper lediglich auf eine ungünstige Schlafposition reagiert oder ob er versucht, auf etwas Ernsthafteres hinzuweisen.

Nächtliches Kribbeln in den Händen ist überraschend häufig – Schätzungen zufolge erlebt es wiederholt etwa ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung. Dennoch ignorieren viele Menschen es langfristig oder schreiben es „schlechtem Schlaf" zu, ohne nach der Ursache zu suchen. Dabei kann das Verstehen der Ursache des Kribbelns der erste Schritt zu besserem Schlaf und allgemeiner Gesundheit sein.


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Der häufigste Übeltäter: die Körperhaltung beim Schlafen

Der menschliche Körper befindet sich im Schlaf in relativer Ruhe, aber Nerven und Blutgefäße schlafen keineswegs. Wenn man in einer Position schläft, die auf einen bestimmten Teil des Arms oder Handgelenks drückt, kann es zu einer vorübergehenden Einschränkung der Durchblutung oder zu einer Nervenkompression kommen – und das Ergebnis ist genau dieses charakteristische Kribbeln oder Taubheitsgefühl. Am häufigsten liegt diese Art von Kribbeln an einer Position, bei der man auf dem Arm liegt, mit gebeugtem Ellenbogen schläft oder den Kopf auf dem Arm abstützt.

Ein typisches Beispiel ist die Situation, wenn jemand auf dem Sofa einschläft und die Hand unter dem Kopf liegt. Nach dem Aufwachen ist der gesamte Arm „abgestorben" – taub, ohne Bewegungsfähigkeit. Es reicht, aufzustehen, den Arm zu schütteln, und nach ein, zwei Minuten ist alles in Ordnung. Es handelt sich um eine sogenannte vorübergehende Nervenkompression, die völlig harmlos ist und keinerlei Behandlung erfordert. Der Körper kommt damit selbst zurecht.

Das Problem entsteht, wenn sich dieser Zustand jede Nacht wiederholt oder wenn das Kribbeln auch nach einem Positionswechsel anhält. In diesem Fall ist es angebracht, nach einer tieferen Ursache zu suchen. Orthopäden und Neurologen empfehlen als ersten Schritt, darauf zu achten, in welcher Position man einschläft und wie man aufwacht – diese einfache Beobachtung kann wertvolle Hinweise liefern.

Was die Schlafposition betrifft, ist das größte Risiko das Schlafen auf der Seite mit gebeugtem Ellenbogen, der an den Körper gezogen wird. Diese Position kann zu einer Kompression des Nervus ulnaris führen, der an der Innenseite des Ellenbogens verläuft – und das Ergebnis ist Kribbeln im kleinen Finger und Ringfinger. Ähnlich kann das Schlafen auf dem Bauch mit zur Seite gedrehtem Kopf und über den Kopf gestrecktem Arm die Nerven im Bereich der Halswirbelsäule reizen und Kribbeln in der gesamten Hand oder nur in bestimmten Fingern verursachen.

Die Lösung ist meist recht einfach: eine bewusste Änderung der Schlafposition, ein geeignetes Kissen oder eine Ellenbogenorthese, die übermäßiges Beugen verhindert. Eine hochwertige ergonomische Matratze und ein stützendes Kissen können einen wesentlichen Unterschied machen – und das nicht nur beim Kribbeln der Hände, sondern für die allgemeine Schlafqualität.

Wann das nächtliche Kribbeln in den Fingern auf etwas Ernsteres hindeutet

Wenn das Kribbeln regelmäßig auftritt, immer in denselben Fingern lokalisiert ist oder von Schmerzen, Handschwäche oder anderen Symptomen begleitet wird, ist es Zeit, über andere Ursachen nachzudenken. Es gibt einige Gesundheitszustände, die sich gerade nachts durch Kribbeln in den Händen äußern – und die nächtliche Ruhe verschlimmert sie paradoxerweise, weil der Körper keine Möglichkeit hat, die betroffenen Bereiche auf natürliche Weise zu „durchbewegen".

Das Karpaltunnelsyndrom ist wahrscheinlich die bekannteste Ursache für nächtliches Kribbeln in den Fingern. Es handelt sich um einen Zustand, bei dem der Mittelnerv (Nervus medianus) im Handgelenksbereich komprimiert wird. Charakteristisch ist das Kribbeln im Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und einem Teil des Ringfingers – der kleine Finger bleibt in der Regel unberührt. Die Symptome sind gerade nachts und morgens deutlich schlimmer, weil Menschen beim Schlafen natürlicherweise das Handgelenk beugen, wodurch sich der Tunnel verengt. Betroffene wachen oft mit dem Bedürfnis auf, die Hand zu schütteln, um das Kribbeln zu lindern.

Das Karpaltunnelsyndrom betrifft vor allem Menschen, die langfristig am Computer arbeiten, repetitive Handbewegungen ausführen oder schwanger sind – in der Schwangerschaft kommt es nämlich zu Wassereinlagerungen, die den Karpaltunnel verengen. Laut Mayo Clinic gehört das Karpaltunnelsyndrom zu den häufigsten Kompressionsneuropathien überhaupt.

Eine weniger bekannte, aber ebenfalls weit verbreitete Ursache ist das Kubitaltunnelsyndrom – eine Kompression des Nervus ulnaris im Ellenbogenbereich. Wie oben erwähnt, äußert es sich durch Kribbeln im kleinen Finger und Ringfinger und verschlimmert sich bei gebeugtem Ellenbogen. Menschen, die mit dem Ellenbogen an den Körper gezogen oder unter dem Kopf gestützt schlafen, sind besonders anfällig.

Hinter dem Kribbeln können auch Probleme mit der Halswirbelsäule stecken. Ein Bandscheibenvorfall oder degenerative Veränderungen im Halsbereich können die aus der Wirbelsäule austretenden Nervenwurzeln reizen – und je nachdem, welche Wurzel betroffen ist, äußert sich das Kribbeln in verschiedenen Bereichen der Hand und der Finger. Diese Art von Kribbeln wird oft von Nacken- oder Schulterschmerzen begleitet und verbessert sich nicht durch bloßes Wechseln der Handposition.

Ein weiterer Faktor, den viele Menschen nicht mit Kribbeln in den Händen in Verbindung bringen, ist Diabetes. Diabetische Neuropathie betrifft die peripheren Nerven und kann Kribbeln, Brennen oder Taubheitsgefühle verursachen – anfangs typischerweise in den Füßen, aber mit der Zeit auch in den Händen. Nächtliches Kribbeln kann eines der ersten Warnsignale sein. Ähnlich kann ein Mangel an Vitamin B12 eine Rolle spielen, das für die Gesundheit des Nervensystems entscheidend ist. Menschen, die sich vegan ernähren, oder jene, die unter Aufnahmeproblemen leiden, sind besonders gefährdet.

Wie der Neurologe und Autor populärwissenschaftlicher Bücher über das Gehirn, David Perlmutter, sagt: „Unsere Nerven sind wie elektrische Kabel – wenn die Isolierung beschädigt ist, gehen Signale verloren oder gelangen dorthin, wo sie nicht hingehören." Kribbeln ist genau ein solcher „Signalausfall", und seine Ursache kann mechanischer, metabolischer oder struktureller Natur sein.

Nächtliche Handgelenksorthese, Ellenbogenstütze, Vitamin B12 und ergonomische Hilfsmittel für die Nervengesundheit

Was tun, wenn das Kribbeln regelmäßig auftritt

Der erste Schritt ist immer die Beobachtung des eigenen Körpers. Wann genau tritt das Kribbeln auf? In welcher Hand und in welchen Fingern? Hängt es mit einer bestimmten Schlafposition zusammen? Verschwindet es nach dem Schütteln der Hand oder hält es länger an? Diese Informationen sind für Ärzte äußerst wertvoll und helfen, die Diagnostik in die richtige Richtung zu lenken.

Wenn das Kribbeln länger als einige Wochen anhält oder von weiteren Symptomen begleitet wird – Schmerzen, Schwäche, sichtbarem Muskelschwund an der Hand oder Kribbeln auch tagsüber – ist ein Arztbesuch unbedingt erforderlich. Ein Neurologe kann eine Elektromyographie (EMG) oder eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit durchführen, Untersuchungen, die das Problem genau lokalisieren können.

Falls das Kribbeln durch die Schlafposition oder eine leichtere Form der Nervenkompression verursacht wird, gibt es eine Reihe praktischer Maßnahmen. Eine Handgelenks- oder Ellenbogenorthese, die übermäßiges Beugen des Gelenks über Nacht verhindert, ist eine kostengünstige und wirksame Lösung, die von Physiotherapeuten empfohlen wird. Viele Patienten mit Karpaltunnelsyndrom bemerken bereits nach der ersten Woche des Tragens einer Nachtorthese eine deutliche Erleichterung.

Auch der allgemeine Lebensstil spielt eine wichtige Rolle. Regelmäßiges Dehnen der Hände und Handgelenke, besonders für Menschen, die am Computer arbeiten, kann das Risiko von Kompressionssyndromen erheblich reduzieren. Ebenso wichtig ist es, auf eine ausreichende Zufuhr von B-Vitaminen zu achten – sei es über die Ernährung (Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Eier, Milchprodukte) oder in Form von Nahrungsergänzungsmitteln. Für Veganer und Vegetarier ist eine Supplementierung mit Vitamin B12 praktisch unerlässlich.

Was das Schlafumfeld betrifft, spielt die Ergonomie von Matratze und Kissen eine größere Rolle, als die meisten Menschen ahnen. Eine zu weiche Matratze führt dazu, dass der Körper in eine ungünstige Position einsinkt, während eine zu harte Druckpunkte erzeugen kann. Das Kissen sollte die Halswirbelsäule in einer neutralen Position unterstützen – weder zu hoch noch zu niedrig. Seitenschläfer sollten darauf achten, dass die Schultern nicht zusammengedrückt werden und der Arm frei neben dem Körper liegt, nicht darunter.

Interessanterweise ist das Schlafen auf dem Rücken aus der Perspektive des Drucks auf Nerven und Blutgefäße generell die günstigste Position – die Arme liegen natürlich neben dem Körper und kein Teil des Arms wird zusammengedrückt. Der Übergang zu dieser Position kann für gewohnte Seiten- oder Bauchschläfer anfangs schwierig sein, ist aber mit einem geeigneten Kissen und etwas Geduld erreichbar.

Es ist erwähnenswert, dass das nächtliche Kribbeln in den Händen auch eine psychosomatische Komponente haben kann. Chronischer Stress und Anspannung führen zu Muskelkrämpfen, verminderter Durchblutung und größerer Empfindlichkeit des Nervensystems. Techniken wie progressive Muskelentspannung, Meditation oder Atemübungen vor dem Schlafen können indirekt zur Linderung der Symptome beitragen – und das nicht nur der nächtlichen.

Das nächtliche Kribbeln in den Fingern ist also ein Phänomen, das Aufmerksamkeit verdient – keine Panik, aber bewusstes Interesse. Meistens handelt es sich tatsächlich nur um die Schlafposition, und ein paar einfache Anpassungen der Schlafgewohnheiten genügen, damit die Nächte wieder ruhig werden. Manchmal spricht der Körper aber lauter, und dann ist es klug, zuzuhören – und sich von einem Fachmann bestätigen zu lassen, ob hinter dem Kribbeln nicht etwas steckt, das Pflege erfordert. Die Grenze zwischen „das vergeht von selbst" und „ich sollte das angehen" ist oft schmal, und genau deshalb lohnt es sich, sie zu kennen.

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