facebook
SUMMER-Rabatt nur jetzt! CODE: SUMMER 📋
Mit dem Code SUMMER erhalten Sie 5 % Rabatt auf Ihren gesamten Einkauf.
Bestellungen, die vor 12:00 Uhr eingehen, werden sofort versandt. | Kostenloser Versand über 80 EUR | Kostenloser Umtausch und Rückgabe innerhalb von 90 Tagen

Thermoregulation bei Frauen funktioniert anders als bei Männern

Fast jede Frau, die jemals in einem Großraumbüro gearbeitet hat, kennt das: Während der Kollege neben ihr entspannt sein Jackett ablegt und einen Ventilator auf den Schreibtisch stellt, zieht sie sich den Pullover über die Schultern und überlegt leise, ob es seltsam wäre, eine Decke mit ins Büro zu bringen. Das ist keine Überempfindlichkeit und auch keine Frage der Psychologie – hinter diesem alltäglichen Phänomen stecken echte Biologie und jahrzehntelang ignorierte wissenschaftliche Forschung.

Die Unterschiede in der Temperaturwahrnehmung von Männern und Frauen sind gut dokumentiert. Dennoch werden Büroklimaanlagen weltweit weiterhin nach Standards eingestellt, die in den 1960er Jahren entwickelt wurden und ausschließlich den Stoffwechsel eines durchschnittlichen vierzigjährigen Mannes mit einem Gewicht von etwa siebzig Kilogramm berücksichtigten. Frauen kamen in diesen Gleichungen schlicht nicht vor. Das Ergebnis: Millionen von Frauen sitzen jeden Tag in ihren Büros und kämpfen gegen eine Kälte, die ihre Kollegen überhaupt nicht wahrnehmen.


Probieren Sie unsere natürlichen Produkte

Wie Thermoregulation funktioniert und warum das Geschlecht eine Rolle spielt

Der menschliche Körper ist ein perfekter Thermostat. Das Gehirn überwacht ständig die Körpertemperatur und passt sie bei Bedarf an – es weitet oder verengt Blutgefäße, löst Schwitzen aus oder lässt die Muskeln zittern. Dieser Prozess wird als Thermoregulation bezeichnet und verläuft bei jedem Menschen etwas anders. Bei Frauen und Männern bestehen systematische Unterschiede, die tief verwurzelte physiologische Ursachen haben.

Der grundlegende Stoffwechselumsatz – also die Energiemenge, die der Körper im Ruhezustand verbrennt – ist bei Männern im Durchschnitt um 20 bis 30 Prozent höher als bei Frauen. Männer haben im Allgemeinen mehr Muskelmasse, und da Muskeln metabolisch sehr aktives Gewebe sind, produzieren sie mehr Wärme. Frauen hingegen haben einen höheren Anteil an Fettgewebe, das Wärme zwar besser isoliert, aber selbst kaum erzeugt. Das Ergebnis ist, dass der weibliche Körper schlicht weniger eigene Wärme produziert und daher anfälliger für Kältegefühle in klimatisierten Räumen ist.

Dazu kommt noch ein weniger bekannter Faktor: die Durchblutung der Gliedmaßen. Der weibliche Organismus neigt dazu, in kühlerer Umgebung die Blutversorgung für lebenswichtige Organe – Herz, Gehirn, Lunge – zu priorisieren und den Blutfluss zu Händen und Füßen zu reduzieren. Deshalb leiden Frauen im Büro so häufig unter kalten Händen, auch wenn die Raumtemperatur akzeptabel erscheint. Dieser Mechanismus ist aus evolutionärer Sicht für das Überleben vorteilhaft, verursacht aber in einem modernen Büro mit einer auf achtzehn Grad eingestellten Klimaanlage chronisches Unbehagen.

Der Hormenzyklus spielt in diesem Zusammenhang ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle. Studien zeigen, dass sich die Temperaturwahrnehmung bei Frauen je nach Phase des Menstruationszyklus verändert. In der Lutealphase – also in der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung – steigt die Basaltemperatur um etwa einen halben Grad Celsius, während sich die Schwelle für Wärme- und Kälteempfinden verschiebt. Frauen in den Wechseljahren erleben den entgegengesetzten Extremfall: Hitzewallungen, die sich mit Kältegefühlen abwechseln, was in einem klimatisierten Büro besonders unangenehm sein kann.

Eine interessante Perspektive bietet eine Studie, die in der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht wurde und direkt darauf hinwies, dass die Standards für Büroklimaanlagen systematisch zugunsten von Männern festgelegt sind. Die Autoren der Studie, Boris Kingma und Wouter van Marken Lichtenbelt von der Universität Maastricht, wiesen darauf hin, dass die optimale Temperatur für den weiblichen Stoffwechsel etwa 2,5 Grad höher liegt als für den männlichen. In der Praxis bedeutet das: Ist der Thermostat im Büro auf 21 Grad Celsius eingestellt, fühlen sich Männer wohl, während ihre Kolleginnen eher 23,5 Grad benötigen würden.

Büroklimaanlage als Genderproblem

Es wäre einfach, das Ganze als kleine Unannehmlichkeit abzutun, doch die Auswirkungen sind tatsächlich gravierender. Chronisches Kältegefühl verringert Produktivität, Konzentration und körperliches Wohlbefinden. Eine Studie der Cornell University ergab, dass bei einer Erhöhung der Bürotemperatur von 20 auf 25 Grad Celsius die Anzahl der Tippfehler um 44 Prozent sank und die Gesamtproduktivität um 150 Prozent stieg. Thermischer Komfort ist also nicht nur eine Frage des Wohlbefindens – er beeinflusst die Leistung direkt.

Nehmen wir ein Praxisbeispiel: Markéta arbeitet als Projektmanagerin in einem Prager Technologieunternehmen. Jeden Sommer bringt sie einen extra Pullover, warme Socken und einen kleinen elektrischen Heizlüfter mit ins Büro. Ihr Kollege Martin sitzt zwei Meter von ihr entfernt und kommt im Sommer regelmäßig im T-Shirt zur Arbeit. Beide arbeiten im selben Raum, beide sind Profis – und doch erleben sie eine völlig unterschiedliche Umgebung. Markéta schätzt, dass sie jeden Tag eine beträchtliche Menge mentaler Energie damit verbringt, darüber nachzudenken, wie sie sich aufwärmen kann.

Diese Geschichte ist keine Ausnahme. Eine Umfrage der britischen Organisation TUC (Trades Union Congress) zeigte, dass etwa die Hälfte der berufstätigen Frauen regelmäßig unter übermäßiger Kälte im Büro leidet. Dabei sind die Energiekosten für die Überkühlung von Bürogebäuden enorm – Schätzungen zufolge geben Büros in den USA jährlich über 10 Milliarden Dollar für unnötige Kühlung auf Temperaturen aus, die für die meisten Mitarbeitenden unangenehm kalt sind.

Das Problem hat auch eine ökologische Dimension. Übermäßige Gebäudekühlung ist energieintensiv und erhöht den CO₂-Fußabdruck von Unternehmen unnötig. Aus Nachhaltigkeitsperspektive könnte eine Anhebung der Thermostateinstellungen – sagen wir um ein oder zwei Grad – den Energieverbrauch erheblich senken, ohne den Komfort der meisten Mitarbeitenden zu beeinträchtigen. Wie der deutsche Physiker Ernst Ulrich von Weizsäcker einmal treffend formulierte: „Effizienz bedeutet nicht weniger – sie bedeutet mehr mit weniger." Genau das gilt auch für Klimaanlagen.

Was Sie tun können – als Einzelperson und als Unternehmen

Die Einstellungen einer ganzen Bürogebäude-Klimaanlage zu ändern liegt nicht immer in der Hand des Einzelnen, aber es gibt Möglichkeiten, die Situation zu verbessern – sowohl auf persönlicher Ebene als auch in der Unternehmenskultur.

Auf persönlicher Ebene hilft das Schichten von Kleidung. Natürliche Materialien wie Merinowolle oder Bio-Baumwolle regulieren die Körpertemperatur natürlicher als Synthetikfasern – sie halten warm, ohne bei Bewegung zu überhitzen. Funktionsunterhemden aus Merinowolle unter dem Hemd oder ein Pullover aus recycelten Fasern sind unauffällige, aber wirksame Lösungen. Ein eigenes Kapitel sind warme Socken und geschlossenes Schuhwerk, denn über die Fußsohlen verliert der Körper Wärme schneller, als die meisten Menschen ahnen.

Wichtig sind auch Flüssigkeitszufuhr und Ernährung. Warme Getränke – ob Kräutertee oder heißes Wasser mit Zitrone – helfen, die Körpertemperatur von innen aufrechtzuerhalten. Regelmäßige Bewegungspausen, etwa ein kurzer Gang durch den Flur oder Dehnübungen, kurbeln den Muskelstoffwechsel an und wärmen den Körper auf natürliche Weise. Mahlzeiten mit viel Eiweiß und gesunden Fetten unterstützen den Stoffwechsel und helfen dem Körper, mehr Wärme zu produzieren.

Auf Unternehmensebene ist offene Kommunikation entscheidend. Arbeitgeber und Facility Manager sollten thermischen Komfort als Teil des allgemeinen Wohlbefindens am Arbeitsplatz ernst nehmen. Flexible Klimatisierung in verschiedenen Zonen des Büros, die Möglichkeit, persönliche Heizgeräte zu nutzen, oder natürliche Belüftung statt mechanischer Kühlung – all das sind Maßnahmen, die keine großen Investitionen erfordern, aber das Umfeld für alle Mitarbeitenden erheblich verbessern können.

Viele fortschrittliche Unternehmen in Nordeuropa und Japan sind bereits auf sogenannte Zonenklimatisierung umgestiegen, bei der Mitarbeitende in verschiedenen Bürobereichen die Temperatur nach ihren Bedürfnissen einstellen können. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Mitarbeiterzufriedenheit steigt, Krankheitsausfälle nehmen ab und die Produktivität verbessert sich. Das ist keine Utopie – es ist eine praktische Lösung für ein Problem, das jahrzehntelang ignoriert wurde.

Es sei erwähnt, dass das Thema thermischer Komfort am Arbeitsplatz auch in die breitere Diskussion über Inklusion und Diversität in der Arbeitswelt Einzug hält. So wie Unternehmen lernen, Arbeitsplätze an Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Bedürfnissen anzupassen, sollten sie auch physiologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern berücksichtigen. Ein Büro, das seine Mitarbeiterinnen systematisch unterkühlt, ist kein neutrales Umfeld – es ist ein Umfeld, das nach einem sehr spezifischen menschlichen Muster ausgerichtet ist.

Es gibt auch natürliche Wege, die eigene Thermoregulation langfristig zu unterstützen. Regelmäßige Bewegung und der Aufbau von Muskelmasse erhöhen den Grundumsatz und helfen dem Körper, mehr Wärme zu produzieren. Adaptogene Kräuter wie Ashwagandha oder Ginseng werden in der traditionellen Medizin zur Verbesserung der Stressresistenz und der Anpassungsfähigkeit an Temperaturschwankungen eingesetzt, obwohl die wissenschaftliche Beweislage hier noch gemischt ist. Guter Schlaf und eine ausgewogene, eisenreiche Ernährung – Eisenmangel ist bei Frauen sehr häufig und verschlimmert das Kältegefühl direkt – bilden die Grundlage für eine gute Thermoregulation.

Das gesamte Problem der Bürokälte spiegelt letztlich ein übergeordnetes Thema wider: wie öffentliche und berufliche Räume im Hinblick auf die Vielfalt der Menschen gestaltet werden, die sie nutzen. Die Standards der 1960er Jahre entsprechen längst nicht mehr der Realität moderner Arbeitsplätze, an denen Frauen fast die Hälfte der Belegschaft ausmachen. Die Wissenschaft sagt klar, dass die Thermoregulation bei Frauen anders funktioniert als bei Männern – und es wäre längst an der Zeit, dass dies auch die Bürothermostate weltweit widerspiegeln. Wenn Sie das nächste Mal bei der Arbeit nach Ihrem Pullover greifen, während der Kollege neben Ihnen gleichzeitig sein Jackett ablegt, wissen Sie: Das liegt nicht an Ihrer Empfindlichkeit. Es liegt an Physik, Biologie und einem System, das Sie schlicht nicht berücksichtigt hat.

Teilen Sie dies
Kategorie Suche Korb