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Mittagsschlaf funktioniert nur, wenn man weiß, wie man es richtig macht

Nachmittagsmüdigkeit: Was die Wissenschaft über das Nickerchen wirklich weiß

Die Nachmittagsmüdigkeit kennt jeder. Sie kommt in der Regel gegen zwei oder drei Uhr nachmittags, die Augen fallen von selbst zu und die Konzentration löst sich auf wie Zucker im Wasser. In solchen Momenten kommt vielen ein verlockender Gedanke – warum nicht kurz hinlegen? Doch gleich darauf folgt der Zweifel: Ruiniert mir das den Nachtschlaf? Werde ich danach noch müder sein? Ein Nickerchen tagsüber ist ein Thema, um das sich zahlreiche Mythen ranken, und dabei weiß die Wissenschaft darüber überraschend viel Interessantes.

Ein kurzer Schlaf mitten am Tag ist keine Neuheit und auch keine Faulheit. Im Mittelmeerraum ist die Siesta seit Jahrhunderten Teil der Kultur, in Spanien, Italien oder Griechenland gilt sie bis heute als selbstverständlicher Teil des Tages. Aber nicht nur dort – in Japan beispielsweise gibt es ein Konzept namens Inemuri, also die Kunst, überall und jederzeit einzunicken, ohne dass es gesellschaftlich inakzeptabel wäre. Im Gegenteil: Im japanischen Arbeitsumfeld gilt ein kurzes Nickerchen am Arbeitsplatz als Beweis dafür, dass jemand so fleißig arbeitet, dass er seine Kräfte erschöpft. Die Einstellungen zum Tagesschlaf unterscheiden sich also von Kultur zu Kultur erheblich, aber das biologische Bedürfnis nach Erholung ist universell.


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Was im Körper beim Nachmittagsnickerchen passiert

Der menschliche Organismus durchläuft im Laufe des Tages natürliche Zyklen von Wachheit und Schläfrigkeit, die vom sogenannten zirkadianen Rhythmus gesteuert werden. Der Energieabfall am Nachmittag wird nicht nur durch ein üppiges Mittagessen verursacht, wie oft behauptet wird, sondern ist ein natürliches biologisches Phänomen, das unabhängig davon auftreten würde, was man zu Mittag gegessen hat oder ob man überhaupt gegessen hat. Forschungen zeigen, dass diese Schläfrigkeitswelle einem evolutionär verwurzelten Muster entspricht – unsere Vorfahren schliefen wahrscheinlich zweimal täglich, einmal nachts und einmal kurz am Tag.

Wenn jemand ein Nickerchen macht, wechselt das Gehirn in leichtere Schlafphasen, in denen die sogenannte Gedächtniskonsolidierung stattfindet – also die Übertragung von Informationen aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis. Genau deshalb erinnern sich Menschen, die nach dem Lernen oder anstrengender geistiger Arbeit kurz einnicken, besser an das, womit sie sich gerade beschäftigt haben. Eine im Fachmagazin Nature Neuroscience veröffentlichte Studie hat nachgewiesen, dass bereits sechzig Minuten Tagesschlaf die Gehirnleistung bei kognitiven Aufgaben deutlich verbessern können – und zwar auf einem Niveau, das mit einer ganzen zusätzlichen Nacht Schlaf vergleichbar ist.

Neben dem Gedächtnis beeinflusst ein Nickerchen auch die Stimmung positiv. Während des Schlafs sinkt der Cortisolspiegel, das Stresshormon, und der Körper hat Raum zur Regeneration. Menschen, die sich regelmäßig eine kurze Ruhepause am Tag gönnen, berichten von mehr Gelassenheit, einer besseren Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen, und einem insgesamt höheren Wohlbefinden. Das ist also nicht nur ein subjektiver Eindruck – dahinter stecken konkrete physiologische Prozesse.

Eine interessante Perspektive bietet auch die Kardiologie. Eine Studie griechischer Wissenschaftler, die über 23.000 Erwachsene beobachtete, stellte fest, dass Menschen, die regelmäßig ein Nickerchen machen, ein um mehr als dreißig Prozent geringeres Risiko haben, an Herzerkrankungen zu sterben. Natürlich sind solche Zahlen mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, da viele weitere Faktoren eine Rolle spielen – Lebensstil, Ernährung, Genetik. Dennoch ist der Zusammenhang zwischen regelmäßiger Ruhepause am Tag und Herzgesundheit wissenschaftlich dokumentiert und verdient definitiv Aufmerksamkeit.

Wie Winston Churchill einmal treffend bemerkte – er hütete seinen Nachmittagsschlaf wie einen Schatz: „Sie müssen zwischen Mittag- und Abendessen schlafen, und das ohne Ausnahmen. Sie verlieren damit keine Zeit – das ist ein törichter Gedanke von Menschen ohne Vorstellungskraft." Churchill arbeitete dabei intensiv bis in die späten Nachtstunden und schrieb seine Leistungsfähigkeit gerade der regelmäßigen Erholung zu.

Wann ein Nickerchen wirklich schadet

Bei allen Vorteilen hat der Tagesschlaf auch seine Schattenseite – und es kommt vor allem darauf an, wie lange er dauert und zu welcher Uhrzeit er stattfindet. Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Nickerchen ist die Länge. Experten der NASA, die den Einfluss von Schlaf auf die Leistung von Piloten untersuchten, stellten fest, dass die ideale Dauer eines Nickerchens etwa 10 bis 20 Minuten beträgt. Ein solcher „Power Nap" bringt maximale Vorteile – Erfrischung, bessere Konzentration, Stimmungsverbesserung – ohne dass man in tiefe Schlafphasen fällt, aus denen man desorientiert und noch müder als zuvor aufwacht.

Dieser unangenehme Zustand hat sogar seinen eigenen Fachbegriff: Schlafträgheit. Sie tritt auf, wenn jemand den tiefen, langsamen Schlaf unterbricht, und das Gehirn braucht dann Zeit, um vollständig aufzuwachen und normale Funktionen wiederherzustellen. Nach dreißig bis sechzig Minuten Tagesschlaf tritt die Schlafträgheit am stärksten auf – man fühlt sich benebelt, schwerfällig, und die Leistungsfähigkeit ist paradoxerweise schlechter als vor dem Nickerchen. Wenn also jemand aus dem Nachmittagsschlaf aufwacht mit dem Gefühl, am liebsten gleich wieder ins Bett zu gehen, hat er wahrscheinlich zu lange geschlafen.

Der zweite entscheidende Faktor ist der Zeitpunkt. Ein Nickerchen nach vier Uhr nachmittags kann den Nachtschlaf stören, weil es dem Körper das Signal sendet, dass er nicht müde ist, und der natürliche Schlafdruck, der sich im Laufe des Tages aufbaut, dadurch abnimmt. Das Ergebnis ist dann oft, dass man abends nicht einschlafen kann, der Nachtschlaf kürzer oder unterbrochen ist und man morgens müde aufwacht – womit sich der gesamte Zyklus in einem Teufelskreis schließt.

Ein Nickerchen tagsüber ist auch nicht für jeden geeignet. Menschen, die an Schlaflosigkeit oder anderen Schlafstörungen leiden, sollten es vermeiden oder mit einem Fachmann besprechen. Bei chronischer Insomnie ist der Tagesschlaf eines der Dinge, das Ärzte bei der kognitiven Verhaltenstherapie für Schlafstörungen (CBT-I) zu reduzieren empfehlen – eben um den gesunden Schlafdruck wiederherzustellen und das abendliche Einschlafen natürlich zu gestalten.

Ähnlich vorsichtig sollten Menschen sein, die dazu neigen, tagsüber zu lange zu schlafen und sich danach noch schlechter zu fühlen. Wenn jemand regelmäßig nach zwei Stunden Nachmittagsschlaf benommen und desorientiert aufwacht, muss das nicht nur eine schlechte Nickerchen-Technik sein – es könnte ein Signal sein, dass der Körper unter Schlafmangel in der Nacht oder einem anderen gesundheitlichen Problem leidet, das es wert wäre, untersucht zu werden.

Ein praktisches Beispiel: Markéta, eine vierunddreißigjährige Grafikerin, die von zu Hause aus arbeitet, begann sich ein Nachmittagsnickerchen zu gönnen, nachdem ihr zweites Kind geboren wurde und der Nachtschlaf unregelmäßig geworden war. Anfangs schlief sie tagsüber eine Stunde oder länger und lag dann jeden Abend stundenlang mit offenen Augen im Bett. Als sie auf Anraten ihres Arztes das Nickerchen auf fünfzehn Minuten verkürzte und es auf etwa ein Uhr nachmittags verlegte, verbesserte sich die Situation deutlich – tagsüber fühlte sie sich frisch und abends schlief sie problemlos ein. An genau diesem Beispiel zeigt sich, welch entscheidende Rolle die richtige Zeitplanung und Dauer spielen.

Frau, die sich in einem Sessel am heimischen Arbeitsplatz während eines kurzen Nachmittagsnickerchens ausruht

Wie man richtig ein Nickerchen macht, damit es wirklich hilft

Wenn jemand beschließt, eine kurze Ruhepause am Tag in seinen Alltag zu integrieren, lohnt es sich, einige einfache Regeln zu befolgen. Zunächst geht es um die Länge – idealerweise 10 bis 20 Minuten, maximal 30 Minuten für diejenigen, die ein größeres Schlafdefizit haben. Es empfiehlt sich, einen Wecker zu stellen, damit kein Verschlafen in tiefe Schlafphasen droht.

Einige Experten empfehlen den sogenannten „Koffein-Nap" – eine Tasse Kaffee kurz vor dem Einnicken. Koffein beginnt nämlich etwa zwanzig Minuten nach der Einnahme zu wirken, sodass man genau dann aufwacht, wenn das Koffein einsetzt, und sich besonders frisch fühlt. Das klingt paradox, aber Studien bestätigen diese Methode als sehr wirksam.

Auch die Umgebung spielt eine Rolle. Es muss keine vollständige Dunkelheit und Stille wie beim Nachtschlaf sein – eine bequeme Position, geschlossene Augen und ein Moment der Ruhe reichen aus. Manche Menschen lernen, im Sessel oder auf dem Sofa einzunicken, ohne sich auszuziehen oder ins Bett zu legen. Genau das kann dem Gehirn helfen, zwischen dem „echten" Nachtschlaf und der kurzen Tagesruhe zu unterscheiden.

Wichtig ist auch, auf den eigenen Körper zu hören. Nicht jeden Tag muss ein Nickerchen notwendig sein – manchmal reichen fünf Minuten ruhiges Sitzen mit geschlossenen Augen, damit sich das Gehirn ein wenig neu ausrichtet. Meditation oder tiefes Atmen können einen ähnlichen Erfrischungseffekt bringen, ohne das Risiko von Schlafträgheit.

Ein gesunder Lebensstil insgesamt beeinflusst die Qualität des Schlafs erheblich – ob nachts oder tagsüber. Regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung reich an Magnesium und B-Vitaminen, die Einschränkung von Koffein am Nachmittag und eine Abendroutine ohne Bildschirme sind die Grundpfeiler eines guten Schlafs. Produkte, die die Körperregeneration unterstützen – wie natürliche Nahrungsergänzungsmittel mit Adaptogenen oder Kräutertees mit beruhigender Wirkung – können eine natürliche Ergänzung zur regelmäßigen Erholung sein.

Ein Nickerchen tagsüber ist also weder ein Allheilmittel noch eine Angewohnheit, für die man sich schämen müsste. Es ist ein Werkzeug – und wie jedes Werkzeug funktioniert es am besten, wenn es richtig eingesetzt wird. Eine kurze, gut getimte Ruhepause mitten am Tag kann eine der einfachsten Möglichkeiten sein, die eigene Leistungsfähigkeit, Stimmung und Gesundheit zu verbessern. Man muss nur wissen, wie es geht.

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