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Jeder kennt das. Man kommt nach einem anstrengenden Tag nach Hause, schaut sich im Chaos um und beginnt statt zu entspannen automatisch aufzuräumen. Und dann – sobald alles an seinem Platz ist – atmet man plötzlich leichter. Das ist kein Zufall und auch keine bloße Gewohnheit. Hinter dem, warum uns Aufräumen beruhigt, steckt eine ganze Reihe psychologischer und neurologischer Mechanismen, die Wissenschaftler mit wachsendem Interesse erforschen. Und die Ergebnisse sind überraschend eindeutig: Ordnung in der Umgebung hilft tatsächlich dabei, Ordnung im Kopf zu bewahren.

Die Beziehung zwischen der physischen Umgebung und dem psychischen Zustand eines Menschen ist tiefer, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Das Gehirn verarbeitet ständig visuelle Reize aus der Umgebung, und Unordnung wirkt als dauerhafter Stressfaktor – selbst dann, wenn wir uns dessen nicht bewusst sind. Eine Studie der Princeton University aus dem Jahr 2011 zeigte, dass eine chaotische Umgebung die Konzentrationsfähigkeit vermindert und den Cortisolspiegel, also den Stresspegel, erhöht. Mit anderen Worten: Unordnung ermüdet das Gehirn buchstäblich, indem sie es zwingt, ständig überschüssige visuelle Informationen zu filtern.

Ein aufgeräumter und geordneter Raum hingegen erlaubt dem Gehirn, „durchzuatmen". Es hört auf, gegen das visuelle Chaos anzukämpfen, und kann sich auf das konzentrieren, was es wirklich braucht. Und genau deshalb fühlen wir uns nach erfolgreichem Aufräumen so gut – das ist nicht nur ein ästhetisches Gefühl, sondern eine physiologische Reaktion des Körpers auf die verringerte Belastung.


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Aufräumen als Meditation in Bewegung

Interessant ist dabei, dass nicht nur das Ergebnis – die Ordnung – eine beruhigende Wirkung hat, sondern auch der Prozess des Aufräumens selbst. Psychologen vergleichen ihn mit Meditation – rhythmische, sich wiederholende Bewegungen wie Staubwischen, Staubsaugen oder Wäschefalten aktivieren das parasympathische Nervensystem, das für den Zustand der Ruhe und Erholung verantwortlich ist. Der Körper beruhigt sich, die Atmung verlangsamt sich, und der Geist bekommt Raum zum freien Denken.

Der Schriftsteller und Philosoph Alain de Botton hat es einmal sehr treffend formuliert: „Ordnung ist eine Form der Poesie. Dinge an ihrem Platz sagen uns, dass die Welt einen Sinn ergibt." Und genau dieses Gefühl der Sinnhaftigkeit ist entscheidend. Aufräumen ist eine der wenigen alltäglichen Aktivitäten, die einen klaren Anfang, einen Verlauf und ein sichtbares Ergebnis haben. In einer Zeit, in der so vieles ungewiss und unkontrollierbar ist, gibt uns diese einfache Tätigkeit das Gefühl der Kontrolle über den eigenen Raum zurück – und damit auch über das eigene Leben.

Nehmen wir zum Beispiel Markéta, eine dreißigjährige Lehrerin aus Brünn, die zugibt, dass sie immer dann, wenn sie von Angst überwältigt wird oder sich von Arbeitspflichten erdrückt fühlt, zu Lappen und Wischmopp greift und anfängt, den Boden zu wischen. „Zuerst dachte ich, ich wäre seltsam", sagt sie. „Dann stellte ich fest, dass viele Menschen das tun. Es ist wie ein Reset. Wenn ich die Küche fertig geputzt habe, fühle ich mich in der Lage, alles zu bewältigen." Markétas Erfahrung ist keine Ausnahme – sie ist im Gegenteil sehr typisch und wissenschaftlich gut belegt.

Die Psychologin Darby Saxbe von der University of Southern California widmet sich seit Langem der Erforschung, wie das häusliche Umfeld die Psyche beeinflusst. Ihre Studien bestätigen wiederholt, dass Frauen, die ihr Zuhause als unordentlich oder unfertig beschrieben, im Laufe des gesamten Tages höhere Cortisolwerte aufwiesen. Diejenigen hingegen, die ihr Zuhause als ruhigen Rückzugsort wahrnahmen, hatten deutlich niedrigere Stresshormonspiegel. Dieser Effekt ist dabei nicht nur auf Frauen beschränkt – ähnliche Ergebnisse zeigen sich auch bei Männern, insbesondere in Zeiten des Homeoffice, wenn die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatraum verschwimmen.

Wichtig ist auch, was mit unserer Identität und unserem Selbstvertrauen geschieht. Aufräumen ist eine Form der Fürsorge – für den Raum, aber auch für sich selbst. Wenn wir uns um unsere Umgebung kümmern, senden wir uns selbst ein Signal: Ich bin in der Lage, mich um Dinge zu kümmern, ich habe die Situation unter Kontrolle. Dieser innere Dialog hat einen direkten Einfluss darauf, wie wir uns wahrnehmen und wie wir an weitere Herausforderungen des Tages herangehen.

Ordnung, Nachhaltigkeit und die Wahl von Produkten, auf die es ankommt

Immer mehr Menschen erkennen dabei, dass die Art und Weise, wie sie aufräumen, nicht nur ihre Psyche, sondern auch die Umwelt beeinflusst. Ökologische Reinigungsmittel und nachhaltige Hilfsmittel werden zu einem selbstverständlichen Bestandteil eines gesunden häuslichen Rituals – und das aus gutem Grund. Herkömmliche chemische Reinigungsmittel enthalten Stoffe, die die Atemwege reizen, Allergien auslösen und Wasserökosysteme belasten können. Der Umstieg auf natürliche Alternativen ist daher nicht nur ein Modetrend, sondern eine bewusste Entscheidung, die sowohl uns als auch dem Planeten zugutekommt.

Zum Beispiel sind Bambuslappen, kompostierbare Schwämme oder Reinigungsmittel ohne unnötige Chemikalien heute in einer Qualität erhältlich, die konventionellen Produkten in nichts nachsteht. Darüber hinaus bringt die Entscheidung für nachhaltige Produkte einen weiteren psychologischen Vorteil – das Gefühl der Übereinstimmung zwischen Werten und Handlungen, das Psychologen als „Wertekonsistenz" bezeichnen. Wenn wir auf eine Weise aufräumen, die mit dem übereinstimmt, woran wir glauben, erleben wir ein tieferes Gefühl der Zufriedenheit.

Frau reinigt die Küche mit ökologischen Reinigungsmitteln und einem Bambustuch

Es ist auch interessant zu beobachten, wie sich der Umgang mit Minimalismus im Haushalt verändert. Die japanische Philosophie des Wabi-Sabi, die Schönheit in Einfachheit und Vergänglichkeit findet, oder der Ansatz von Marie Kondo, der die Frage stellt, ob uns Dinge Freude bereiten, haben einen gemeinsamen Nenner: Weniger Dinge bedeuten weniger visuelles Rauschen und mehr innere Ruhe. Laut einer im Fachjournal Personality and Social Psychology Bulletin veröffentlichten Studie weisen Menschen mit überfüllten Wohnungen höhere Depressions- und Erschöpfungswerte auf als jene, die in einem Raum mit weniger Gegenständen leben.

Das bedeutet nicht, dass jeder in einer leeren Wohnung mit einem einzigen Stuhl leben muss. Es geht vielmehr um eine bewusste Beziehung zu den Dingen, die uns umgeben. Jeder Gegenstand, den wir im Haus haben, beansprucht ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit – sei es physisch (wir müssen ihn aufräumen, reparieren, umstellen) oder mental (wir erinnern uns, wo er ist, überlegen, was wir damit machen). Je weniger Dinge, desto weniger dieser verborgenen mentalen Belastung – und desto mehr Raum für Ruhe und Präsenz.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Einfluss von Düften beim Aufräumen. Aromatherapie und die Verwendung natürlicher Reinigungsmittel mit ätherischen Ölen – zum Beispiel mit Lavendel, Eukalyptus oder Zitrusextrakten – können das Aufräumritual selbst in ein nahezu meditatives Erlebnis verwandeln. Der Duft von Lavendel ist ein wissenschaftlich belegtes Anxiolytikum, also eine angstlindernde Substanz, und seine Anwesenheit beim Aufräumen kann die beruhigende Wirkung der gesamten Aktivität noch verstärken.

Das Ritual hat dabei eine große Kraft. Wenn wir aus dem Aufräumen ein bewusstes Ritual machen – unsere Lieblingsmusik einschalten, angenehm duftende Mittel verwenden, bequeme Kleidung anziehen – hört Aufräumen auf, eine Pflicht zu sein, und wird zur Selbstfürsorge. Und genau dieser Perspektivwechsel ist entscheidend. Forschungen im Bereich der positiven Psychologie zeigen immer wieder, dass die Wahrnehmung alltäglicher Aktivitäten als sinnvoll und angenehm wesentlich zur allgemeinen Lebenszufriedenheit beiträgt.

Nicht zu vernachlässigen ist auch die soziale Dimension eines aufgeräumten Raums. Ein Zuhause, in das wir keine Scheu haben, Freunde oder Familie einzuladen, stärkt unsere sozialen Bindungen und verringert das Gefühl der Isolation. Unordnung hingegen kann Scham auslösen und zu sozialem Rückzug führen – man meidet Einladungen, weil man sich für den Zustand seiner Wohnung schämt. Dieser Teufelskreis – Unordnung führt zu Isolation, Isolation führt zu Depression, Depression erschwert die Motivation aufzuräumen – ist in der klinischen Psychologie gut dokumentiert und Therapeuten kennen ihn als eines der Anzeichen einer depressiven Episode.

Aufräumen kann daher paradoxerweise einer der ersten Schritte aus diesem Kreislauf heraus sein. Es geht nicht darum, Perfektion zu erreichen oder eine Wohnung wie aus dem Katalog zu haben. Ein kleiner Schritt genügt – einen Abwasch erledigen, einen Tisch aufräumen, alte Zeitungen wegwerfen. Jeder solche Schritt aktiviert im Gehirn das Belohnungssystem und setzt Dopamin frei, den Neurotransmitter, der mit dem Gefühl von Erfolg und Motivation verbunden ist. Kleine Ordnung weckt den Appetit auf mehr Ordnung – und damit wird eine positive Spirale in Gang gesetzt, die einen tiefgreifenden Einfluss auf die allgemeine Stimmung und Produktivität haben kann.

Die Wissenschaft sagt also klar, was viele von uns intuitiv spüren: Aufräumen ist nicht nur eine Frage der Sauberkeit. Es ist ein Werkzeug zur Pflege des Geistes, eine Möglichkeit, das Gefühl der Kontrolle zurückzugewinnen, ein Ritual, das uns erdet, und eine Brücke zwischen dem, wie wir uns innen fühlen, und dem, wie unsere Welt um uns herum aussieht. Und vielleicht greifen wir deshalb, wenn wir nicht wissen, was wir mit unangenehmen Gefühlen anfangen sollen, zum Besen – weil wir irgendwo tief in uns ahnen, dass Ordnung draußen bei der Ordnung drinnen hilft.

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