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Die Andropause des Partners ist ein Thema, über das wenig gesprochen wird

Wenn man das Wort „Menopause" hört, stellen sich die meisten Menschen sofort eine Frau mittleren Alters vor, die hormonelle Veränderungen durchmacht. Kaum jemand ahnt jedoch, dass Männer etwas Ähnliches durchleben – wenn auch weniger dramatisch und weit seltener besprochen. Die Andropause, manchmal inoffiziell als männliche Menopause bezeichnet, ist ein realer physiologischer Prozess, der nicht nur den Mann selbst, sondern auch sein engeres Umfeld erheblich beeinflussen kann – einschließlich seiner Partnerin. Und genau deshalb lohnt es sich zu wissen, was das eigentlich ist, wie man sie erkennt und – vielleicht am wichtigsten – wie man seinem Partner eine echte Stütze sein kann.

Anders als die weibliche Menopause, die vergleichsweise abrupt und mit klaren biologischen Signalen einsetzt, beginnt die Andropause langsam und schleichend. Männer bemerken sie oft selbst nicht oder führen sie auf Stress, berufliche Überlastung oder schlicht das Altern zurück. Ihre Partnerinnen ahnen zwar häufig, dass „etwas nicht stimmt", wissen aber nicht genau was. Das Ergebnis sind unnötige Spannungen, Missverständnisse und im schlimmeren Fall sogar eine Beziehungskrise – und das alles nur, weil niemand das richtige Wort ausgesprochen hat.

Was im männlichen Körper eigentlich passiert

Die Andropause wird durch einen allmählichen Rückgang des Testosteronspiegels verursacht, des wichtigsten männlichen Geschlechtshormons. Während bei Frauen der Östrogenspiegel in einem relativ kurzen Zeitraum stark abfällt, sinkt der Testosteronspiegel bei Männern ab dem dreißigsten bis vierzigsten Lebensjahr um etwa ein Prozent pro Jahr. Das klingt unauffällig, doch nach zehn bis fünfzehn Jahren macht sich dieser Rückgang deutlich bemerkbar. Laut Mayo Clinic treten die Symptome der Andropause am häufigsten bei Männern zwischen fünfzig und siebzig Jahren auf, wobei jeder Fall individuell ist.

Es ist wichtig zu verstehen, dass es sich nicht um eine Störung oder Krankheit im eigentlichen Sinne handelt – es ist ein natürlicher biologischer Prozess. Dennoch kann sein Verlauf erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Der Körper produziert nicht mehr ausreichend Testosteron, was sowohl die körperlichen als auch die psychischen Funktionen des Organismus beeinflusst. Ein Mann kann Müdigkeit verspüren, die seiner tatsächlichen Belastung nicht entspricht, oder bemerken, dass er Muskelmasse verliert, obwohl er sich genauso ernährt wie zuvor. Manche Männer berichten von Hitzewallungen ähnlich denen der Frauen, andere leiden unter Schlafstörungen oder verminderter Libido. Hinzu kommen kognitive Veränderungen – Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit, ein Gefühl von „Nebel im Kopf".

Der psychische Aspekt der Andropause ist dabei der tückischste. Männer mittleren Alters durchleben gleichzeitig viele Lebensveränderungen – Kinder verlassen das Haus, die Karriere hat ihren Höhepunkt erreicht, Eltern werden älter oder sterben, und dazu kommen körperliche Veränderungen, die der Mann nicht beeinflussen kann. Genau diese Kombination aus biologischem und existenziellem Druck schafft einen fruchtbaren Boden für depressive Zustände, Reizbarkeit und Rückzug in sich selbst.

Zu den Symptomen der Andropause, auf die Partnerinnen achten sollten, gehören insbesondere:

  • ausgeprägte Müdigkeit und Energiemangel ohne erkennbare Ursache
  • Stimmungsschwankungen – Reizbarkeit, Traurigkeit, Apathie oder im Gegenteil Wutausbrüche
  • nachlassendes sexuelles Verlangen und mögliche Erektionsprobleme
  • Gewichtszunahme, insbesondere im Bauchbereich
  • Verlust des Selbstvertrauens und erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Kritik
  • Schlafprobleme – Einschlafschwierigkeiten, häufiges Aufwachen oder umgekehrt übermäßige Schläfrigkeit
  • Gefühle der Hoffnungslosigkeit oder Leere, die der Mann nicht erklären kann

Wie man erkennt, dass es sich um Andropause handelt – und nicht nur um schlechte Laune

Hier liegt eine der größten Herausforderungen. Die Symptome der Andropause ähneln nämlich sehr stark den Symptomen einer Depression, eines Burnouts oder schlicht des mittleren Alters als solchem. Und Männer – wie allgemein bekannt – neigen dazu, ihre gesundheitlichen Beschwerden zu bagatellisieren, den Arzt nicht aufzusuchen und innerlich dem Gedanken zu widerstehen, dass mit ihnen „etwas nicht stimmen könnte".

Stellen Sie sich eine Situation vor, die viele Partnerinnen kennen: Der Partner, der noch vor wenigen Jahren energiegeladen, witzig und initiativ war, kommt plötzlich erschöpft nach Hause, setzt sich vor den Fernseher und spricht kein Wort. Auf die Frage „Was ist los?" antwortet er: „Nichts, ich bin nur müde." Wochenenden, die früher aktiv verbracht wurden, verwandeln sich in passives Ausruhen. Das Interesse an gemeinsamen Aktivitäten, an Sex, an der Planung der Zukunft – alles schwindet. Die Partnerin kann das als Verlust des Interesses an der Beziehung wahrnehmen, als Signal, dass zwischen ihnen beiden etwas schiefgelaufen ist. Dabei kann die Ursache rein hormoneller Natur sein.

Das entscheidende Unterscheidungsmerkmal ist die Allmählichkeit und Dauer der Symptome. Wenn sich das Verhalten des Partners langsam, schleichend, ohne ein klar erkennbares auslösendes Ereignis verändert und dies Monate oder Jahre anhält, lohnt es sich zu erwägen, ob es sich nicht gerade um Andropause handelt. Ein Arzt kann den Testosteronspiegel im Blut einfach messen – es handelt sich um eine routinemäßige Untersuchung, die vieles klären kann.

Wie der Schriftsteller und Therapeut Jed Diamond, der sich seit Langem mit der männlichen Gesundheit befasst, einmal sagte: „Männer leiden schweigend, weil ihnen niemand beigebracht hat, über ihre Gefühle zu sprechen. Und ihre Partnerinnen leiden in Ungewissheit, weil sie nicht verstehen, was vor sich geht." Dieser Satz trifft den Kern des Problems besser als jede medizinische Abhandlung.

Wie man dem Partner wirklich helfen kann

Über Andropause Bescheid zu wissen ist eine Sache. Zu wissen, wie man sich gegenüber dem Partner verhält, ist eine andere – und erheblich schwierigere. Der größte Fehler, den Partnerinnen begehen, ist der Versuch, das Problem zu „reparieren" oder den Mann davon zu überzeugen, sich „zusammenzureißen". Doch Andropause ist keine Frage des Willens. Es ist Biologie.

Der erste und wichtigste Schritt ist ein offenes, nicht wertendes Gespräch. Nicht in dem Moment, wenn der Partner müde oder gereizt ist, sondern in einem ruhigen Augenblick, am besten bei einer gemeinsamen Aktivität – einem Spaziergang, beim Kochen, auf einer Autofahrt. Eine direkte Konfrontation nach dem Motto „Wir müssen reden" lässt den Mann instinktiv in sich zurückziehen. Dagegen kann ein leichter, unaufdringlicher Ansatz – „Ich habe bemerkt, dass du in letzter Zeit müde wirkst, wie geht es dir?" – Türen öffnen, die sonst geschlossen blieben.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist die Unterstützung beim Arztbesuch. Viele Männer gehen nicht zum Arzt, solange sie niemand dazu ermutigt. Die Partnerin kann einen gemeinsamen Besuch vorschlagen oder einfach beim Termin machen helfen. Ein Hausarzt oder Endokrinologe kann den Hormonspiegel messen und gegebenenfalls das weitere Vorgehen empfehlen – sei es eine Anpassung des Lebensstils oder eine Hormonersatztherapie, die bei Männern zunehmend verfügbar und sicher ist.

Der Lebensstil spielt beim Verlauf der Andropause eine absolut entscheidende Rolle. Forschungen zeigen, dass regelmäßige Bewegung – insbesondere Krafttraining und Ausdauersport – die natürliche Testosteronproduktion unterstützen und die Stimmung erheblich verbessern kann. Eine im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism veröffentlichte Studie bestätigte, dass Männer, die regelmäßig Sport treiben, höhere Testosteronspiegel und eine bessere psychische Gesundheit aufweisen als jene, die einen sitzenden Lebensstil führen. Die Partnerin kann den Mann sanft zur Bewegung motivieren – durch gemeinsame Spaziergänge, Fahrradausflüge oder etwa die Anmeldung zu einem Kurs, der beiden Spaß machen würde.

Ebenso wichtig ist die Ernährung. Lebensmittel, die reich an Zink, Magnesium, Vitamin D und gesunden Fetten sind, unterstützen die natürliche Testosteronproduktion. Dazu gehören beispielsweise Nüsse, Samen, fetter Fisch, Eier oder Avocado. Umgekehrt senkt übermäßiger Alkoholkonsum, der Genuss von industriell verarbeiteten Lebensmitteln und Zucker den Testosteronspiegel. Wenn die Partnerin kocht oder einkauft, kann sie diese Veränderungen unauffällig und natürlich einführen, ohne dass der Mann das Gefühl hat, ihm werde ein gesunder Lebensstil „verschrieben".

Psychische Unterstützung ist dabei genauso wertvoll wie die körperliche. Ein Mann, der die Andropause durchlebt, muss wissen, dass seine Partnerin ihn als ganzen Menschen wahrnimmt – nicht nur als jemanden, der aufgehört hat, „der alte Bekannte" zu sein. Das Vermeiden von Vergleichen mit der Vergangenheit, Geduld bei Stimmungsschwankungen und die Fähigkeit zuzuhören, ohne sofort Lösungen anzubieten, sind Dinge, die sich leicht sagen, aber schwer umsetzen lassen. Und doch bilden genau sie die Grundlage dessen, was ein Mann in dieser Phase am meisten braucht.

Wenn die Symptome schwerwiegender sind – insbesondere wenn Gedanken über die eigene Sinnlosigkeit auftauchen, tiefe Apathie oder ein völliger Interessenverlust an allem – muss professionelle psychologische oder psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen werden. Depression bei Männern mittleren Alters ist ein ernstes und unterdiagnostiziertes Problem, das die gleiche Aufmerksamkeit verdient wie jede andere Erkrankung. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie sowie viele private Psychotherapeuten sind auf diesen Bereich spezialisiert und bieten einen sicheren Raum für Männer, die sonst Angst haben zu sprechen.

Die Andropause ist auch eine Chance – auch wenn es im ersten Moment nicht so aussieht. Paare, die diese Phase gemeinsam durchstehen, beschreiben sie oft als einen Moment, in dem ihre Beziehung tiefer wurde. In dem sie lernten, anders zu kommunizieren, sich anders zu unterstützen und sich gegenseitig anders zu verstehen. Wenn die Partnerin begreift, dass der Rückzug des Partners keine Ablehnung ist, sondern ein Hilferuf – und wenn der Mann begreift, dass Hilfe anzunehmen keine Schwäche ist – kann aus einer schwierigen Phase unerwartet ein starkes Fundament für das werden, was noch kommt.

Die männliche „Menopause" ist kein Mythos und keine Ausrede. Sie ist eine reale biologische Realität, über die viel zu wenig gesprochen wird. Und gerade weil darüber nicht gesprochen wird, leiden nicht nur die Männer selbst unnötig, sondern auch ihre Nächsten. Je früher Partnerinnen sie erkennen und je offener darüber gesprochen wird, desto leichter wird es für alle Beteiligten sein, diese Phase mit Würde und gegenseitigem Verständnis zu durchleben.

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